Ludwigshafen – Soziale Brennpunkte und Armut

krobsburgstrLudwigshafen/RLP – Lebensort und Lebenslage – „Jürgen wohnt schon immer in der ……., schon immer im Abseits. In der Schule wurde er gehänselt weil er ………. ler ( im Volksmund Bezeichnung für das Wohnquartier ) war. Er wohnte mit seinen Eltern und sechs Geschwistern in einer viel zu kleinen Wohnung, ohne Bad, ohne Heizung. Schulaufgaben konnten nur in der Spiel- und Lernstube erledigt werden, weil zu Hause weder Platz noch Interesse der Eltern bestand. Schon nach der 2. Klasse landete er in der Sonderschule. Dies ist ein typischer Weg für die Kinder aus der Kropsburg/Flurstr. Sonderschule, Eingliederungsmaßnahmen, kaum eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt. Meist verlassen sie ihre Siedlung nicht, allenfalls kurzzeitig, um dann wieder heim zu kommen. Die meisten Familien leben schon in der vierten Generation hier.“

Der Lebensort mit seinen sozialen, kulturellen, ökonomischen, ökologischen, baulichen und politischen Bedingungen ist der Raum der konkreten und auch ersten Lebenserfahrungen. Familiensituationen und Lebenslagen isoliert als Einzelschicksale zu betrachten, verbietet sich schon allein aufgrund der Anhäufung und räumlichen Konzentration von Belastungen gerade in sogenannten Sozialen Brennpunkten. Sich diesen Bedingungen zu entziehen, ist kaum, beziehungsweise gar nicht möglich.

„Dort wohnen die Assis.“

Stigmatisierende Zuschreibungen und Annahmen prägen das Leben und das Lebensgefühl der Menschen von Kindheit an.

„Mir sind doch nichts wert – unsere Kinder auch nicht.“

Lebenschancen und Risiken sind an Orte gebunden, Lebensmöglichkeiten an Lebenslagen geknüpft, Denk- und Handlungsspielräume werden von Primärerfahrungen im sozialen Nahraum begrenzt oder beflügelt.

„Arbeitslosigkeit ist meist eine Situation, die von Generation zu Generation weiter gegeben wird. Das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten ist sehr gering. Immer wieder werden die gleichen abwertenden Erfahrungen gemacht.“

Im sozialen Nahraum – also in dem Wohnviertel und sozialen Umfeld, das die betroffenen Menschen als ihr Zuhause sehen – liegen zentrale Bedingungen für Stigmatisierung, Überlastungen, Ausgrenzung, Chancen- ungerechtigkeit, Angst und Gewalt. Nur wenn der Nahbereich gute Lebensqualität und Gerechtigkeit gewährt, entstehen positive Ausgangsbedingungen für Entwicklung, Aufwertung, Zutrauen, Stabilisierung und Öffnung für Neues. Nur den Menschen zugewandte Bedingungen und Strukturen, die Beteiligung und Teilhabe garantieren, eröffnen Aktionsfelder für Lernprozesse und Selbstorganisationsaktivitäten.

Hier wollen wir ansetzen …

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Bewohnerinnen sehr aktiv und zupackend sind, wenn sie spüren, dass sie ernst genommen werden und ihre Beteiligung wahrhaft gewünscht ist.“ Soll der soziale Frieden bewahrt werden, müssen für die Bürgerinnen und Bürger Lösungen und Bedingungen erkennbar sein, die ihnen Zukunftsperspektiven eröffnen und eine menschenwürdige Existenz sichern. Die nun schon eine Zeit andauernde wirtschaftliche Krise und die dramatischen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt wirken sich an erster Stelle in größeren Familien und hier gerade in mehrfach belasteten Wohngebieten, in den sogenannten Sozialen Brennpunkten aus.

„Viele Errungenschaften und Erfolge in Sozialen Brennpunkten werden über die Verfestigung von Langzeitarbeitslosigkeit, Verschlankung von Hilfeangeboten, Veränderungen in der Arbeitsmarktpolitik zunichte gemacht. Wir werden zurück versetzt in die 70er Jahre … , dabei kämpfen wir noch immer um Mietverträge für die Bewohner, die zum Teil noch nicht einmal Nutzungsverträge haben.“

Soziale Brennpunkte in Rheinland-Pfalz

Soziale Brennpunkte sind in der Ur-Definition des Deutschen Städtetags : „Wohngebiete, in denen Faktoren, die die Lebensbedingungen ihrer Bewohner und insbesondere die Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen negativ bestimmen, gehäuft auftreten…“. In Rheinland-Pfalz gibt es nach wie vor zu wenig gesicherte Daten über Umfang, Struktur und Entwicklung der Sozialen Brennpunkte in den Städten und Gemeinden. In einer Rundreise in 28 Städten und Verbandsgemeinden hat die LIGA der Wohlfahrtsverbände 1988 insgesamt 66 Soziale Brennpunkte ermittelt. In einigen sind zwischenzeitlich, insbesondere durch bauliche Sanierungsmaßnahmen Veränderungen eingetreten. Über die tatsächlichen baulichen und infrastrukturellen Gegebenheiten liegen bis heute auf Landesebene keine exakten Daten vor.

Im Zuge der Umsetzung des Städtebauprogrammes „Soziale Stadt“ des Bundes sind derzeit in Rheinland-Pfalz in 13 Städten 24 Gebiete als sogenannte Soziale Stadt Standorte ausgewiesen. Es handelt sich dabei meist um hochverdichtete, einwohnerstarke Wohngebiete in städtischen Räumen. Diese weisen im Hinblick auf ihre Sozialstruktur, den baulichen Bestand, das Arbeitsplatzangebot, das Ausbildungsniveau, die Ausstattung mit sozialer und stadtteilkultureller Infrastruktur sowie der Qualität der Wohnungen, des Wohnumfeldes und der Umwelt erhebliche Defizite auf. Mit finanziellen Mitteln aus dem Bund-Länder-Programm werden hier Maßnahmen zur Verbesserung von Wohn- und Lebensqualität unter Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner organisiert.

Soziale Stadt wurde im Stadtteil West angewandt, dies änderte jedoch nichts im sozialen Brennpunkt Bayreutherstr., bei den betroffenen Menschen. Es reicht bei weitem nicht aus, die Infrastruktur um die sozialen Gebiete herum zu verbessern, sondern es muss etwas in den Gebieten selbst geändert werden. Durch die Aufwertung eines Stadtteiles, um die sozialen Brennpunkte herum, wird die Ausgrenzung nur verstärkt. Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass eine Straße zwei Straßennamen hat. Der alte verrufene Straßenname müssen die Bewohner dieses Viertel behalten, den neuen ohne schlechten Ruf erhalten die Neuansiedlungen in den Reihenhäusern. Auch dies trägt nicht zur Verbesserung der Situation bei. Man muss sich intensiver um die Verbesserung der Lebenssituation der dort wohnenden Menschen kümmern, damit man nicht erst in 30 Jahren, sondern einige Jahre vorher, einen Rückgang der Obdachlosigkeit, bemerken kann. Dies ist kein Problem, dass sich von alleine und in kurzer Zeit, lösen lässt. Es erfordert das Ablegen von langjährigen Vorurteilen und sich die Mühe zu machen, auch hinter die Kulissen zu schauen. Durch die bisherige Handhabung und verschiedene Vorfälle seitens der Sozialarbeiter/Hausmeister wurde das Misstrauen und Vorurteile gegenüber Behörden nur noch verstärkt. Der Sozialabbau verstärkt das Misstrauen zusätzlich. Man muss dafür sorgen, dass die angebotene Hilfen nicht als Bevormundung angesehen werden.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist Rheinland-Pfalz eher ländlich strukturiert. Sozialräumliche Ausgrenzungen und Spaltungen mit all ihren negativen Erscheinungen und Folgen für die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner zeigen sich hier meist erst auf den zweiten Blick. Im Sommer 2001 führte die LIGA der Wohlfahrtsverbände eine Befragung bei Fachkräften ihrer Mitglieder durch, um Daten und Fakten über sanierungsbedürftige beziehungsweise sozial un- und unterversorgte Wohnquartiere, insbesondere im ländlichen Raum, zu erheben. Ergebnis dieser Erhebung ist eine Liste mit insgesamt 30 Städten beziehungsweise Gemeinden/Verbandsgemeinden, in denen auf zum Teil einzelne Häuser, Straßenzüge beziehungsweise Wohnsiedlungen mit erheblichem Sanierungsbedarf beziehungsweise Brennpunktcharakter hingewiesen wird.

Aus dieser Erhebung hier einige Beispiele der Nennung

• „Mini-Armutsquartier mit unzumutbaren Wohnverhältnissen, Sanierung geplant

• Lage zwischen Eisenbahnen und Schnellstraße, Schlichtbauten der sechziger Jahre, Bäder und Duschen im Keller, klassische Obdachlosensiedlung ohne Mietverträge

• Viele Sozialwohnungen und Nationalitäten, erhebliche Lärmbelästigung, Beratungsbedarf

• Stadtrandgebiet/Gewerbegebiet, eigentlich aufgelöster Brennpunkt, Restgruppe von Sinti und Roma will bleiben

• Traditionell sozial schwaches Wohngebiet, hoher Ausländeranteil, Beratungs- und Förderbedarf für Kinder

• Unterkunft heruntergekommen, einige Trakte stehen seit Jahren leer, hauptsächlich ausländische Großfamilien

• Heruntergekommener Wohnblock, bewohnt von Asylbewerbern, Flüchtlingen, Alkoholkranken und anderen Problemgruppen

• Hausobjekte mit unzumutbaren Wohnverhältnissen an stark befahrener Durchgangsstraße

• Abrisshäuser und zum Teil mit Problemgruppen bewohnte Häuser in Stadtrandlage

• Obdachlosenwohnungen mit maroder Bausubstanz und niedrigstem Standard

• Mini-Armutsquartiere/Hausobjekte mit unzumutbaren Wohnverhältnissen ohne besondere Betreuung

• Wohnblocks mit Verslumungstendenz ohne besondere Betreuung

• Renovierungsbedürftiges Haus für Obdachlose, von drei Seiten mit ehemaligen Bahngleisen und einer Straßenbrücke umgeben ( unter anderem Asylsuchende )

• Häuserzeile in Schlichtbauweise ( Laubenganghäuser ) zwischen Bahnhofsgelände und Industrieansiedlung; stigmatisiert

• Einzelobjekt über einem Lokal, Stadtmitte; Zimmervermietung an allein stehende Männer, nur Gemeinschaftstoilette, starke Geruchsentwicklung und Ungeziefer

• Hochhaus mit über 80 Prozent Anteil an Sozialhilfeempfängern, Aussiedlern und Asylbewerbern

• 2-geschossige Reihenhäuser in schlechtem baulichen Zustand ( Überbelegung ),

• Steinbaracken der fünfziger Jahre und mehrgeschossige Bauten der sechziger Jahre im Gewerbegebiet

Aus weiteren Berichten von Gemeinwesenarbeitern für diese Armutsberichterstattung

• Das Wohngebiet ist eine isoliert liegende, zwei Straßen umfassende Siedlung. Von rund 160 Wohnungen stehen cirka 70 Wohnungen leer. Hier leben ( 6. Mai 2003 ) 310 Personen, mehr als ein Drittel davon ist unter 18 Jahren.

• Die Großsiedlung XY-Stadt liegt etwa 2,5 km entfernt von der XY-City im Nordosten der Stadt und ist durch ein Gewerbegebiet von der Stadt sowie durch eine vierspurige, stark befahrene Straße vom übrigen Stadtteil getrennt.

Diese Aufzählung ließe sich weiterführen aufgrund der rund 70 Nennungen im Rahmen dieser Befragung. Die Liste wurde nach Erstellung 2001 dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit zur Verfügung gestellt. Aufgrund der bisher vorliegenden Ergebnisse und Erkenntnisse geht die LIGA davon aus, dass in Rheinland-Pfalz unter Berücksichtigung weiterer Gebiete mehr als 100 Standorte Brennpunktcharakter haben oder sich im Prozess einer sozialen Entgleisung und Ausgrenzung befinden.

Trotz der ungenügenden und unsystematisch erfassten Datenlage sind aufschlussreiche Aussagen über Einschätzungen, Entwicklungen und Kriterien bezüglich sozialräumlicher Segregation möglich.

Sehr anfällig gegenüber Ausgrenzungs- und Gettoisierungsentwicklungen sind Gebiete in isolierter Lage, in Gewerbegebieten und am Rande der Städte und Gemeinden. Mittlerweile kennt man auch das Aussterben und Verkommen von Innenstädten und sucht Lösungen zur Vermeidung und Wiederbelebung. Gebäude und Unterkünfte sind häufig in schlechtem bis katastrophalem Zustand. Sowohl der soziale Wohnungsbau, als auch Einfachst- und Schlichtbauten und Notunterkünfte sind am massivsten betroffen beziehungsweise deren Bewohnerinnen und Bewohner.

Nicht selten haben die dort lebenden Personen keinen Status als Mieter, sondern lediglich Nutzungsverträge. Die Wohndauer in den so genannten Sozialen Brennpunkten ist generell sehr lange, das heißt, viele leben dort bereits in der dritten Generation seit der Nachkriegszeit. Der Anteil an Sozialhilfeempfangenden, Arbeitslosen, Migranten und Asylbewerbenden ist sehr hoch. Die Entwicklungschancen der Kinder sind im Vergleich zu anderen erheblich beeinträchtigt ( zum Beispiel cirka 30 Prozent Sonderschulquoten, eingeschränkte Möglichkeiten bei der Freizeitgestaltung, Herkunftsadresse ist vielfach Hindernis bei der Stellensuche ).

Multidimensionale Problemlagen

In gegenseitiger Bedingtheit beeinflusst der Sozialraum die Menschen und die Menschen den Sozialraum. Es entstehen sich selbst verstärkende Dynamiken, erhebliche Folgeprobleme und weitere nachteilige Entwicklungen. Gemeinwesen- und Sozialarbeiterinnen und -arbeiter belegen in Berichten und Praxisdarstellungen von den sich gegenseitig bedingenden Ursachen und Folgen.

Beispiel Schule

„Betrachtet man in diesem Zusammenhang die Situation von Kindern und Jugendlichen aus Familien mit niedrigem sozialen Status, so wird deutlich, dass

• für sie die Hauptschule … immer noch die “Regelschule“ ist,
• sie häufiger von schulbezogenen Problemlagen ( Nichtaufnahme in die Wunschschule, Klassenwiederholung, Versetzungsgefährdung, Schulwechsel, Bedarf an Hausaufgabenhilfe und Nachhilfe ) betroffen sind als Kinder aus Familien mit hohem sozialen Status. Darüber hinaus lassen sich bei Jugendlichen aus dem Wohngebiet in überdurchschnittlichem Maße unregelmäßiger Schulbesuch beziehungsweise Schulschwänzerei, hoher Anteil an Sonder- und Hauptschülerinnen und -schüler mit schlechtem beziehungsweise ohne Schulabschluss ( 30 Prozent der Schulabgängerinnen und -gänger der Hauptschule im Schuljahr 1999/2000 ) und Analphabetismus auch nach Beendigung der Schulzeit feststellen.

Unregelmäßiger Schulbesuch beziehungsweise Schulschwänzerei bis hin zur Schulverweigerung setzen sich in den Berufsvorbereitungsjahr-Klassen der Berufsbildenden Schulen fort. Häufig ist der stigmatisierte Wohnort schon Anlass für die Abstufung in eine Sonderschule und Anlass für die Mitschülerinnen und -schüler die Kinder als „die von xy“ zu schneiden.“

Beispiel Berufsausbildung

„Insbesondere so genannte Problemgruppen, wie zum Beispiel Sonder- und Hauptschülerinnen und -schüler mit schlechtem beziehungsweise ohne Schulabschluss, Mädchen, ausländische sowie sozial benachteiligte Jugendliche sind gezwungen, zunächst einmal in „Warteschleifen“ ( hauptsächlich Maßnahmen der Arbeitsverwaltung ) unterzukommen, da sie im Konkurrenzkampf mit höher qualifizierten Jugendlichen, die verstärkt in die betriebliche Ausbildung drängen, nicht bestehen können. Schon die Frage, welchen Beruf sie ergreifen möchten, fällt ihnen schwer zu beantworten. Obwohl durch diesbezügliche Veranstaltungen der Schule beziehungsweise der Agenturen für Arbeit in der Schule die Angebote im Bereich der Berufswahl bekannt sein dürften, werden sie nur wenig als Hilfe bei der Berufswahl wahr und in Anspruch genommen. Dies trifft besonders auf Angebote zu, deren Nutzung Eigeninitiative und die Fähigkeit, sich selbstständig Informations-quellen zu erschließen, voraussetzen – wie beispielsweise das Berufs-informationszentrum ( BIZ ) mit seiner Vielfalt an Medien. Erschwerend kommt für die Jugendlichen hinzu, dass sich viele Eltern nicht dazu in der Lage sehen, ihnen bei ihrem Start ins Berufs- und Arbeitsleben zu helfen: Viele Eltern sind selbst arbeitslos und haben bei der Arbeitssuche die selben Handicaps und negativen Selbstbilder wie ihre Kinder.“

Beispiel Sprache

„Insbesondere durch die sprachlichen Defizite sind die Kinder im Ausdruck ihrer Gefühle, Gedanken und Bedürfnisse eingeschränkt. Dies wirkt sich auf jegliche Form der Kommunikation und damit auch auf das Aufnehmen und die Gestaltung von Beziehungen nachteilig aus. Sprache reicht vor allem dann nicht aus, wenn die Kinder mit Anforderungen konfrontiert sind oder Konflikte zu lösen haben. Oft wird ihnen wenig Aufmerksamkeit geschenkt, weil man angeblich eh schon weiß, …was von denen kommt“.

Beispiel Freizeit

„Betrachtet man das Freizeitverhalten in Bezug auf die konkrete Beschäftigung, so wird deutlich, dass „der Geldbeutel“ neben den Interessen ein wesentlicher Faktor bei der Wahl der Freizeitbeschäftigung ist:

• Die Freizeit von Kindern und Jugendlichen aus ärmeren Familien ist weniger durchgeplant als die von Bessergestellten. Im Gegensatz zu Jugendlichen aus Familien mit hohem Status haben sie wenig bis gar keine festen Termine pro Woche.

• Die Hälfte der ärmeren Kinder und Jugendlichen ist in keinem Verein.

• Fernsehen, Video und Computerspiele nehmen bei ärmeren Jugendlichen einen größeren Raum ein als bei Jugendlichen mit hohem Status.

• Der ( Selbst – ) Wertunterschied wird versucht über den Gebrauch von alltäglichen Gütern ( zum Beispiel Handys, üblichen Markenartikeln ) zu kompensieren, um ein Zugehörigkeitsgefühl zu demonstrieren.“

Beispiel Ernährung

„Wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung haben über lange Zeit festgestellt, dass eine angemessene Ernährung der Hortkinder ( im sozialen Brennpunkt, Anm. d. Verf ) nicht stattfindet beziehungsweise nicht nachvollziehbar ist. Ein großer Teil der Kinder kommt mittags hungrig oder mit Nahrungsersatz wie Cola, Chips und Süßigkeiten, den sie in übermäßiger Form konsumieren, in den Hort. Einige Kinder bekommen auch Geld und müssen selbst entscheiden, was sie zu Mittag essen… Da viele Kinder offensichtlich nicht ausreichend mit Nahrung versorgt sind, wird ein elementares Grundbedürfnis nicht befriedigt. Sie haben häufig Hunger und können sich aufgrund dessen nur schwer in das Gruppengeschehen einbringen und auf die Anforderungen einstellen, die an sie herangetragen werden. Dies wird sichtbar an ihrem Verhalten bei Freizeitangeboten und bei der Fertigung der Hausaufgaben im Rahmen der Hausaufgabenbetreuung .“

Beispiel Gewaltbereitschaft und Vandalismus

„Die objektiv vorhandene und subjektiv empfundene größere Belastung von ärmeren Jugendlichen produziert bei ihnen ein enormes Maß an Spannungen und Aggressionen. Da hierfür adäquate Ventile fehlen, treten diese insbesondere in Überforderungssituationen und Konflikten massiv zutage. Entweder äußern sich Spannungen und Aggressionen in Form von Vandalismus oder es kommt mangels alternativer Konfliktlösungsstrategien im Verhaltensrepertoire der Jugendlichen neben verbalen Attacken schnell zum Einsatz körperlicher Gewalt und damit zum Eskalieren von Auseinandersetzungen. Gerade Jugendlichen aus Sozialen Brennpunkten eilt der schlechte Ruf von „Schlägern“ voraus. Ihnen wird selten unvoreingenommen begegnet, was nicht selten das Verhalten zur Folge hat, das man eh von ihnen erwartet.“

Die Beispiele verdeutlichen unter anderem die Vielfältigkeit der Problemlagen und nachteiligen Auswirkungen auf die betroffenen Personengruppen, im Umkehrschluss aber auch die präventiven Wirkungen ganzheitlicher Brennpunkt-Arbeit.

Zur Gemeinwesenarbeit

Die Wohlfahrtsverbände engagieren sich seit Jahren in vielen der genannten Sozialen Brennpunkte. Die dort beschäftigten Sozialarbeiterinnen und -arbeiter setzen mit dem Arbeitsprinzip Gemeinwesenarbeit an den vorhandenen Ressourcen der Bewohnerinnen und Bewohner und des Wohngebietes an. Die verschiedenen Akteure, Handlungsund Problemfelder, Strukturen, Vereine und Nachbarschaftssysteme werden in die Arbeit einbezogen, um nachhaltige Lösungen mit den betroffenen Personen und Gruppen zu entwickeln. Das Land Rheinland-Pfalz fördert dies seit Jahren unverändert mit einem Personalkostenzuschuss für 17 sozialpädagogische Fachkräfte und bezieht sich dabei auf „Vorläufige Kriterien für die Landesförderung von sozialpäda-gogischen Fachkräften für die Gemeinwesenarbeit in sozialen Brennpunkten des Landes“ von 1989. Die Förderung der Spiel- und Lernstuben wird durch das rheinland-pfälzische Kindertagesstättengesetz und die Verwaltungs-vorschrift des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit von 1991 geregelt. Hierin wird auch betont, dass die notwendige Gemein-wesenarbeit sichergestellt sein muss. Der spezifische Ansatz der “Spiel- und Lernstubenarbeit in Sozialen Brennpunkten“ wird gefördert.

Die Finanzierung der Gemeinwesenarbeit und Sozialarbeit in den Sozialen Brennpunkten ist regional sehr unterschiedlich geregelt. Häufig handelt es sich um Mischfinanzierungen mit meist sehr hohem Trägeranteil, kommunalen und Landeszuwendungen und weiteren Mitteln ( wie zum Beispiel Spenden ). Im Zuge der Umsetzung des Bundesprogramms ‚Soziale Stadt’ werden an den ausgewiesenen Soziale Stadt-Standorten auch Bundesmittel projektbezogen in sehr unterschiedlicher Höhe eingesetzt.

Schlussfolgerungen

Um angemessen auf die Problemsituation der Sozialen Brennpunkte und benachteiligter Stadtteile mit deren Folgewirkungen auf die Bewohnerinnen und Bewohner reagieren und einwirken zu können, bedarf es zunächst genauer Kenntnisse der Situation und eines Überblicks der Lage in Rheinland-Pfalz. Es muss also darum gehen, die Datenlage zu verbessern, möglichst in Kooperation mit den Kommunen und kommunalen Spitzenverbänden, den Gemeinden und nicht zuletzt der LIGA der Freien Wohlfahrtpflege.

Dazu ist es auch notwendig, Sozialraumanalysen zu erstellen und mit den Partnern vor Ort zu besprechen, insbesondere im Hinblick auf die Verabredung und Durchführung von notwendigen Maßnahmen zur Verbesserung der Gesamtsituation. Vielfach wurde bereits festgestellt – und auch im Städtebauprogramm „Soziale Stadt“ des Bundes festgehalten -, dass nachhaltige Verbesserungen und Lösungen dann Erfolge zeigen, wenn die betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner in die Planungen und Umsetzungsschritte einbezogen werden, das heißt, wenn ihnen Beteiligungsrechte ( zum Beispiel auch bei baulichen Maßnahmen und solchen der Wohnumfeldverbesserung ) eingeräumt und eine Interessenvertretung ermöglicht wird. Die Gemeinwesenarbeit leistet hierzu erfahrungsgemäß schon seit vielen Jahren sehr wertvolle Arbeit. Entsprechend dem – wie zuvor kurz beschrieben – noch immer vorhandenen erhöhten Bedarf müsste der Finanzierungsanteil für die Gemeinwesenarbeit erhöht und für weitere Stellen ausgebaut werden. In einem ersten Schritt zur Beseitigung von Problemlagen und unzumutbaren Wohnverhältnissen sollte die bereits vorgelegte Liste der unversorgten, meist ländlichen Brennpunkte vor Ort überprüft werden, um geeignete Maßnahmen zur Verbesserung beziehungsweise Beseitigung ergreifen zu können. Hier sollte die Idee einer Ad-hoc- Arbeitsgruppe erneut aufgegriffen und in Verantwortung des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Familie und Gesundheit baldmöglichst eingesetzt werden mit konkreten Zielvereinbarungen und Aufgabenbeschreibungen. Die begonnene Arbeit im Rahmen der „Soziale Stadt“-Entwicklung sollte ausgebaut und weitere Mitarbeit in Projekten gefördert werden. Hierzu ist es auch notwendig, den Finanzierungsanteil für die Durchführung vereinbarter und zeitlich begrenzter Projekte zu erhöhen.

Die Planungsziele müssen nach wissenschaftlichen Erkenntnissen festgelegt werden. Der Deutsche Städtetag spricht in diesem Zusammenhang vom Festlegen von „Sozialindikatoren“, um soziale Wandlungsprozesse darzustellen und diese angemessen zu bearbeiten. Deshalb werden wir unsere Projektbeschreibung und die Planungsziele vorlegen, unterstützt durch wissenschatliche Erkennnisse, und einen Antrag auf Zuschuss seitens des Ministeriums für Soziales und Bildung, sowie andere Fördemittel beantragen.

Gleichzeitig reichen wir bei der Stadt Ludwigshafen unsere Projektplanung ein und versuchen etwas Entgegenkommen seitens der Stadt, besonders bezüglich den unklaren Mietverhältnissen, zu erhalten. Die bisherigem Massnahmen seitens der Stadt, haben eher zur weiteren Ausgrenzung, anstatt Integration geführt. In den sozialen Brennpunkten der Stadt Ludwigshafen ist durch verschiedene Vorfälle und Vorgehungsweisen, seitens der Behörde, das Vertrauensverhältnis massiv gestört.

Es wurde mehr gefordert, anstatt gefördert! Vor allen Dingen müssen für die Bürgerinnen und Bürger Lösungen und Bedingungen erkennbar sein, die ihnen Zukunftsperspektiven eröffnen und eine menschenwürdige Existenz sichern. Dazu braucht es aber Anreize, die sogar zur Entlastung des städtischen Haushaltes führen würde.

Petra Karl
www.gfa-ludwigshafen.de
„!Tacheles – Im Namen des Volkes?!

Eine Regierung ( Partei ) ist so schlecht, wie die Bürger ( Mitglieder ) es zulassen und so gut wie die Bürger ( Mitglieder ) es erzwingen!

weitere Bilder von der Kropsburgstrasse in Ludwigshafen am Rhein. Hausflure sind verdreckt und beschmiert.Bröckelnder Putz, nach Urin stinkende Hausflure, Zerfall überall.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

gedankenteiler

Geboren um zu leiden ...

DonnerDrummel

Linux, Free- und Open Source Software - Tipps, Hinweise, Tutorials

kritischerkommilitone

Nicht nur Kritik am Arbeitsamt

promodula

Mein Web 2.0 - sozial liberal ökologisch human

Rogalist

Globale, politische & kulturelle Mainstream-Themen kritisch reflektiert.

Seelenschrott

Wenn die Gedanken Schrott bauen ...

Nero´s WorldVision

Bildet euch selbst eure Meinung!

☛ DWD Press ☚ Das Wahre Deutschland Ⓡ

„WENN IHR EURE AUGEN NICHT GEBRAUCHT, UM ZU SEHEN, WERDET IHR SIE BRAUCHEN, UM ZU WEINEN.“

ThesenzumLeben

A great WordPress.com site

volksbetrug.net

Die Wahrheit erkennen

Der Bananenplanet

Alternatives Informationsmedium

Klardenker Esslingen a. N.

Globalpolitik | Chaosrecycling | Coaching | Lösungen

Das Urheberrecht

Eine Chronologie von Beiträgen zur derzeitigen Debatte

antizensur

Für Meinungsfreiheit

F r e i e - G l o b a l e - W e l t

Alles andere als Global eingestellt / Freidenker Blog / Freiheit und Freude am Leben

humanicum

Das Blog für eine humanistisch ökologische Kulturgesellschaft in Deutschland

sVlog

du siehst was du bist

PIK Deutschland

Deutschland

mein name ist mensch

gegen Lohndumping, Ausbeutung, Hartz IV und gemachte Armut!! es gibt einen Weg - Solidarität ist unsere stärkste Waffe!

EE-Piraten

Irgendwo zwischen Elbe und Elster

Europa der Nationen

Blog für Europa

Teja551's Blog

Just another WordPress.com weblog

Menschenrechtsverletzungen im Unternehmen BRD

Sich.-Ing. J. Hensel - Menschenrechtsverteidiger gem. UN Res. 53/144 - EU Annex DOC 10111-06, pol. Anschauung gem. Art. 26 ICCPR

Der Überwachungsbürger

The All Seeing GEye

slavenhalter der moderne

zeitarbeit - leiharbeit - personalleasing - outplacement - humankapital

%d Bloggern gefällt das: