Aufrechter Gang – Und auf Augenhöhe bleiben!

aufrechtgehen.jpgWie sie auf dem Mega-Strandkorb saßen und ihren Freundinnen und Freunden daheim zuwinkten, ist einfach ergreifend!Wir erinnern uns noch ? „Georgi“, „Angie“, „Toni“, „Niki“ und „Wladi“ – G8 2007! Die Almosen für Afrika senken weder das Fieber der Finanzinvestoren noch die Bereitschaft der staatlichen Entscheidungsträger, die Wasserversorgung, das Stromnetz und das Gesundheitswesen in den Ländern des Südens zu privatisieren.Wurde durch den Gipfel der Reichen und Mächtigen und die Zauberwelt an der Ostsee das Zeitalter der Ausbeutung verkürzt? Die Ausbeutung von Klima und Menschen läuft weiterhin nach Plan.

Arme Kinder und Alleinerziehende sind derzeit die größte Gruppe unter der Armutsbevölkerung. Arme Kinder sind Kinder von armen Eltern oder Alleinerziehenden. Dabei wird alle Jahre wieder eine „neue“ Armut entdeckt – die Armut der Frauen, der Älteren, der Pflegebedürftigen. Und die Armut der Arbeitslosen, derer, die in brüchigen Partnerschaften leben, der Ausländer, der Überschuldeten, der Bildungsfernen, derer, die trotz Vollzeitarbeit arm sind. Die Gesichter der Armut sind bunt und vielgestaltig. Kinder eilen zur Schule, während die Eltern im Bett liegen bleiben. Wenn Kinder ohne Frühstück, mit knurrendem Magen zum Kopfrechnen aufgefordert werden, dann kann bei diesem Akt nur Mist herauskommen.

Kinder werden am Tag des Klassenausflugs krank gemeldet, weil kein Geld da ist, sich unterwegs auch nur eine Cola zu kaufen.Armut ist gemacht.

Von wem?

Nicht von den Armen, obwohl ihnen die Verantwortung für ihre Lage in der Regel aufgehalst wird. Und genau das ist das moralisch Perverse an dieser Gesellschaft.
Die Gesellschaft steht nicht zu dem, was sie durch ihre gewählten Politiker an Schäden angerichtet hat!

Einkommensarmut ist das Ende auf einer Skala der Einkommens- und Vermögensverteilung, dessen anderes Ende durch Reichtum gebildet wird.

Die Armut, die man beobachtet, ist die Konsequenz einer sich zunehmend in Materialismus verwildernden Oberschicht, eine bürgerliche Elite, die den Schmersch von den Selbstheilungskräften des Marktes willig vertraut. Eben weil es sich so bequemer, und darüber hinaus, kostengünstiger leben läßt!Und sie beten den schlanken Staat an, da er der beste aller möglichen Staaten sei. Daraus folgern sie gerne und lauthals, dass die „Leistungsträger“ mehr verdienen, die Löhne gesenkt, die Sozialleistungen gekürzt werden müssen!

Eine zweite Ursache sehe ich darin, wie ich schon in anderen Artikeln beschrieben habe, dass die Regierenden dem Druck der Konzerne und Finanzinvestoren, die sich als „fünfte Gewalt“ in der Demokratie von den politisch Verantwortlichen nicht nur akzeptiert, sondern aus Gründen verschiedener persönlicher Vorteilsnahmen aus dieser sozialisierten Konstruktion, auch deren Wunschvorstellungen eines freien Marktes umgesetzt haben. Sie haben die gesellschaftlichen Risiken der Arbeitslosigkeit, schwerer Krankheit, und Altersarmut tendenziell individualisiert, die solidarischen Sicherungssysteme deformiert. Und sie sind dabei, die Bereitstellung öffentlicher Güter, die allen zugänglich sein sollen, der Privatwirtschaft zu überlassen, die sich die kaufkräftigen Kunden aussucht (Public Partner Privatship).

Eine dritte Ursache ist das öffentliche Schlechtreden der Tarifverträge und der staatlichen Sicherungssysteme. Man wird es in den nächsten Wochen wieder erleben, wie sehr man das Vertrauen der Bevölkerung in die umlagefinanzierten Systeme beschädigen wird. Allen voran die private Versicherungswirtschaft und die Schwachmaten von CDU/CSU in Konkordanz mit seinem Koalbüttel SPD!

Die alten Sprüche von der sich verändernden Alterspyramide, die Globalisierung, und bla bla, und bla bla, all dieser Shit wird sich in den kommenden Wochen in allen Talk-Shows wiederholen, auf allen Kanälen von Rundfunk und Fernsehen zu hören und widerwillig zu sehen sein:

Der Pflegeversicherungsdebatte sei Dank! Es wird allenfalls zu (mit viel Glück) zu moderaten Anhebungen kommen, die Lösung aber, sie wird vertagt bis nach der nächsten Bundestagswahl! Wetten, daß?

Es darf gelacht werden, wenn es denn nicht so Ernst wäre!

Seit zwei Jahrzehnten öffnet sich die Schere zwischen dem Anteil der Kapitaleinkommen am gesamten Volkseinkommen und dem der Arbeitseinkommen. Die Einkommensentwicklung der Lohnabhängigen hinkt hinter der allgemeinen Steigerung des gesellschaftlichen Reichtums hinterher. Die Einkommen und Vermögen der Haushalte am oberen und am unteren Rand der Einkommensleiter entwickeln sich gegenläufig. Das Arbeits-,Natur- und Gesellschaftsvermögen wird entwertet, übernutzt und verschlissen, während das Geldvermögen geschont bleibt und sich vermehrt.

Die scheinbare Barmherzigkeit von „Tafeln“ und „Suppenküchen„, die „Barmherzigkeit“ mit der sogenannten Dritten Welt und deren armen Kindern und Menschen am Rand der Gesellschaft stoppt nicht die Kapitulation vor den Machtverhältnissen einer kapitalistischen Marktwirtschaft.Das Zeitalter der Ausbeutung wird durch die „selbstheilenden Kräfte“ des Marktes nicht verkürzt. Wahrlich nicht!

Diakonie und Caritas spielen die Rolle gern kooperierender Einrichtungen mit den Obrigkeiten des Staates, der seit den Hartz-Gesetzen längst keiner mehr ist. Ein-Euro-Jobber zahlen sich ihre Leistungen durch ihre Tätigkeiten selbst! Die kirchlichen Sozialverbände stimmen den „Notwendigkeiten“ eines Umbaus des Sozialstaates – wie sie die Entsolidarisierung zu Gunsten der reichen Oberschicht gerne nennen – ohne rot zu werden nicht nur zu, sondern sie unterwerfen sich auch noch dem staatlichen Privatisierungs- und Kommerzialisierungsdruck und machen sich keineswegs ein Gewissen, wenn Arbeitnehmer in ihren Einrichtungen für Einen Euro ausgebeutet werden.

Mit den Parolen: „Mehr Markt und mehr Wettbewerb im Gesundheits- und Sozialwesen“ werden die diakonischen Einrichtungen in ein Rattenrennen gegeneinander und mit anderen Sozialverbänden getrieben. Wer am billigsten anbietet, bekommt den Zuschlag der Arbeits- oder Sozialverwaltung, um die „wirklich hilfsbedürftigen Kunden“ zu bedienen.

Die diakonischen und karitativen Einrichtungen leiten den Aussendruck weiter und laden ihn auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab. Sie versuchen, deren religiös-soziale Motivation auszupressen, um einen Wettbewerbsvorteil zu behaupten. Sie verlängern die Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich, verlangen unbezahlte Mehrarbeit, bauen Personal ab, verdichten die Arbeit, senken die Arbeitsentgelte der unteren Lohngruppen, lagern aus und entlohnen gleiche Arbeit ungleich.

Sie lassen sich auf die Bühne des Hartz IV Spektakels treiben, spielen bei dieser Inszenierung mit, bieten zwar den Langzeitarbeitslosen im Samaritermantel Wohltaten, die ihnen gut tun. Aber sie beteiligen sich auch an deren Verarmung und Entrechtung, die aggressive Fallmanager ihnen teilweise verfassungswidrig auferlegen. Die Kirchen selbst machen mit bei der Umdeutung der Gerechtigkeit.

Unisono mit den Parteien mißachten sie die Verteilungsgerechtigkeit, von der sich das Volk – im Zweifel auch mit allen Mitteln staatlicher Gewalt – verabschieden soll.

Selbst wenn niemals nur die Verteilung materieller Güter, sondern immer auch die von Zugangschancen, Verfügungsrechten und gesellschaftlicher Macht in Frage steht, propagieren sie die Leistungs- und Marktgerechtigkeit, die „Befähigungsgerechtigkeit“ oder die „ausgleichende Teilhabe“ als normative Leitbilder.Faule Ausreden, um der selbstverständlich teureren finanziellen Umverteilung von oben nach unten zu entgehen! Mit den gesellschaftlich Etablierten, den Reichen und Schönen, appellieren Kirchen und deren Verbände an die Eigenverantwortung der Ausgeschlossenen, damit diese Vorleistungen erbringen, bevor die Gesellschaft ihnen unter die Arme greift und sie befähigt, ihr Leben eigenständig in die Hand zu nehmen.

Deshalb kann die erste Frage der Gerechtigkeit auch so formuliert werden: Lassen sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Machtverhältnisse vor denen rechtfertigen, die am Rand der Gesellschaft leben oder gar von ihr ausgeschlossen sind?

Die Barmherzigkeit allein reicht nicht, Suppenküchen, Almosen und Tafeln erst recht nicht!

Die Gratwanderung – Gerechtigkeit üben und der Macht widersprechen – aus dieser Verantwortung wird die Zivilgesellschaft nicht entlassen, selbst wenn sie sich nichts sehnlicher wünscht, als die Ghettos der Armut gleichsam „unsichtbar“ in vergammelten Vorstädten zu entsorgen, außerhalb der Speckgürtel der Zufriedenen und Satten, die auf der sonnigen Seite Wohnenden.

Aber dabei gibt es einen Haken: Selbst wenn der Wunsch der Vater des Gedankens ist, diese Gesellschaft käme aus dem Schielen nicht mehr heraus! Und auf Dauer würde dies der Wohlstandsgesellschaft nicht bekommen!

Aufrechter Gang. Kein gekrümmter Rücken. Und auf Augenhöhe bleiben, auf Augenhöhe mit „denen da oben“. Das muß die Marschrichtung bleiben!

Peter Christian Nowak ; Petra Karl , Dirk Grund
Redaktion: !Tacheles – Im Namen des Volkes?! – Gemeinschaft für Aufklärung!

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